Alter vor Schönheit?

Alter vor Schönheit? 1024 575 HAMBURG TEAM Property Management
Faktor Mensch - Nostalgie

Alter vor Schönheit?

Manchmal muss ein altes Gebäude weichen, um einem neuem Platz zu machen. Neue Architektur tritt an die Stelle vertrauter Silhouetten. Oft werden diese Veränderungen im Stadtbild in der Öffentlichkeit sehr kontrovers diskutiert. Insgesamt scheinen wir aber in einer Zeit zu leben, in der das Althergebrachte, auch wenn es längst seiner früheren Funktion beraubt ist, gegenüber Neubau und moderner Architektur stets positiver bewertet wird.

Die Debatte um Erhalt oder Abriss in die Jahre gekommener Gebäude beschäftigt die Öffentlichkeit allerorten. Dabei wird trefflich darüber gestritten, was jenseits einer Einstufung als Denkmal erhaltenswert und was entbehrlich ist. Was für den einen ein Schandfleck ist, bedeutet für den anderen ein Stück Heimat. Damit verbunden ist eine generelle Debatte über moderne Architektur, die – gegenüber einer als nachvollziehbar und identitätsstiftenden historischen Architektur – zumeist als kühl und gesichtslos verschrien ist. Doch lässt sich diese Diskussion nicht allein vor dem Hintergrund verschiedener subjektiver Empfindungen von Ästhetik oder einer schwer zu schließenden Lücke zwischen Laien- und Expertenwissen zu diesem Thema führen. Zunehmend sind diese Themen politisch eingefärbt, werden Gebäude zu Symbolen für anzuprangernde gesellschaftliche Missstände oder das Recht des einzelnen auf Mitbestimmung seiner Umwelt.

Fakt ist:

Baujahr: 1912, Abriss 2014
Nutzung: Verwaltungsgebäude ehemaliges AK Eilbek
Lebensalter: 102

Gebäudenutzungen werden von der Zeit überholt, und nicht jedes freigestellte Gebäude lässt sich durch eine Umnutzung neu aufladen und fit für die Zukunft machen. So war es auch beim Torhaus Eilbek, dem 1912 während der Schumacher-Ära entstandenen Eingangsgebäude des früheren AK Eilbek. Nachdem es nach schweren Kriegsschäden in stark veränderter Form wieder aufgebaut worden war, kam ihm im Rahmen der Neustrukturierung der Krankenhausanlage keine Funktion mehr zu, und es wurde leergezogen. Hamburg Team erwarb das Gebäude 2012 mit dem Vorhaben, dort Wohnraum zu schaffen. Doch mit der Umwidmung von gewerblich genutztem Raum in Wohnraum veränderten sich die technischen Anforderungen an Schall-, Brand- und Wärmeschutz. Auch galt es nun, die gesetzlich geforderte Anzahl an Parkplätzen nachzuweisen, etwas, das aufgrund der besonderen Parklage des Gebäudes nur in einer Tiefgarage realisierbar ist. Unter Berücksichtigung aller Anforderungen und Auflagen ließ sich eine Nutzung des bestehenden Gebäudes als Wohnraum wirtschaftlich nicht abbilden, so dass die Planung fortan auf dem Abriss des zwar als erhaltens-, aber nicht als denkmalwert eingestuften Gebäudes fußte. Protest gegen den Abriss kam aus dem Stadtteilrat, für den der Erhalt des Gebäudes im Vordergrund stand, die Nutzungsart nachrangig beurteilt wurde. Letztlich folgten Politik und Verwaltung jedoch den mit entsprechenden Fachgutachten untermauertem Antrag auf Rückbau, der im Frühjahr 2014 stattfand.

Der Neubau, der nach dem Entwurf des Hamburger Architekten Frank Pawlik entsteht, wahrt das städtebauliche Bild an dieser Stelle und sucht den Ausgleich zwischen historischer und moderner Architektur. Das Gebäude entsteht auf demselben Fußabdruck und lehnt sich in Kubatur und Materialität an seinen Vorgängerbau an. Der Tordurchgang als besonderes, identitätsstiftendes Element des historischen Gebäudes wird auch für das neue Gebäude kennzeichnend sein. Die erhaltenen historischen Schmuckelemente des Torbogens wurden vor dem Abriss sichergestellt und werden in den Neubau integriert. Nach einer zeitweiligen Schließung des Tordurchganges wird das öffentliche Wegerecht künftig wiederhergestellt. Vor diesem Hintergrund liest sich der Neubau wie eine moderne Interpretation des historischen Vorbildes. Vielleicht hat auch er 100 Jahre Bestand und wird später einmal zum Zankapfel, wenn über die Fortschreibung des Stadtbildes an dieser Stelle wieder neu entschieden wird.

Fertigstellung: 2016
Nutzung: Wohngebäude mit Eigentumswohnungen
Lebensalter: ??

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